Imagination
Unser Unterbewusstsein ist wie ein Kind und hat oft Ängste und einschränkende Überzeugungen (Glaubenssätze), die es einstmals als wahr innerhalb seines sozialen Systems erlebt hat. So entwickeln wir schon früh Überlebensstrategien, die irgendwann einmal funktioniert haben und damals die beste Möglichkeit waren, sich zu integrieren, die uns aber heute oft einschränken.
Aus der Gestalttherapie stammt die Vorstellung, dass dieses Kind, was wir einmal waren, weiterhin in uns existiert, wir geben ihm die Gestalt des ‚Inneren Kindes'. Manchmal fühlen wir uns geradezu von dessen Emotionen überschwemmt, obwohl uns der Erwachsenenverstand sagt, dass es dafür real keinen Anlass gibt. Oft verstehen wir das innere Kind nicht und wollen mit seinen häufig schmerzhaften Gefühlen gar nicht in Kontakt kommen.
Wenn wir das innere Kind ablehnen, es ausschimpfen und uns von ihm abwenden - von diesem Teil in uns selbst - dann fühlt es sich nur noch schlechter, traut uns nicht mehr und ist einsam. Begegnen wir ihm aber mit liebevoller Zuwendung, lernen es kennen und nehmen es an, fühlt es sich verstanden und lebt auf - wir leben auf! Wir können ihm die Welt der heutigen Realität erklären, ihm zeigen, dass wir jetzt für sein Wohlergehen sorgen. Es ist auf alte Überlebensstrategien nicht mehr angewiesen und sicher in unserer Liebe geborgen. Wir entdecken neue, erwachsene Strategien zur Bewältigung unseres Lebens.

Positive Bilder – Imaginationen können es davon überzeugen, dass es nun in Sicherheit ist, z.B. beim Gestalten eines inneren sicheren Ortes, dem Kontakt mit inneren Helfern, dem Erspüren der Kräfte eines Baumes... So vermittelt sich dem Kind in uns Vertrauen, Geborgenheit und Fürsorge.
Verschüttete Kräfte können frei fließen und wir kommen in Kontakt mit unseren Ressourcen.
Der Mensch wird durch die Vorstellung eines vergangenen oder zukünftigen Dinges mit dem gleichen Affekt der Lust und Unlust affiziert wie durch die Vorstellung eines gegenwärtigen Dinges." (Spinoza)
Der Begriff Imagination kann mit "Einbildungskraft oder Vorstellungsvermögen" übersetzt werden. Menschen besitzen die Fähigkeit, sich in ihrer Vorstellung in emotional besetzte Situationen wie z. B. solche mit stark belastenden Gefühle hineinzuversetzen und können diese dann auch in Imaginationen durch positive Vorstellungen verändern.
Wir sind das einzige Wesen, dass sich allein durch die Vorstellung von Stress schon sämtliche Reaktionen herbeizaubern kann, ohne dass die Situation real ist. Menschen mit Ängsten können ein Lied davon singen.
Intensive Vorstellungsbilder von negativen Kindheitserinnerungen können Veränderungen der Herzfrequenz, der psychogalvanischen Reaktion, der Atmung und Augenbewegung hervorrufen. Vorstellungen verbunden mit Trauer, Wut oder Angst können aufgrund ihrer differierenden Herz- und Kreislaufwerte unterschieden werden. Vorstellungsbilder üben eine direkte Wirkung auf den Körper aus, die nicht nur an der Skelettmuskulatur sichtbar wird, sondern auch am vegetativen Nervensystem.


